TuTech – Oder unsere Förderung durch die hep Gründerjobs

Als die Idee noch in den Kinderschuhen steckte, machten wir uns logischerweise auch schon Gedanken um die Finanzierung der Idee. Da wir zu diesem Zeitpunkt beide Hochschulabgänger waren und man als Student im Allgemeinen keine großen Geldreserven anlegen kann, dank BAföG sogar meist eher negative Reserven hat, suchten wir nach Finanzierungsmöglichkeiten, die zu keiner weiteren Neuverschuldung führen. Für diese Suche nutzten wir hauptsächlich die Fördergeld Datenbank/Suchmaschine des BMWi. Diese Datenbank enthält zahlreiche Arten von Fördergeldern, Zuschüssen, Darlehen, Bürgschaften etc. Die Suche lässt sich sinnvoll über einige Parameter weiter einschränken, so dass man zügig einige interessante Angebote findet. Jeder Gründer sollte sich diese Datenbank zumindest einmal angesehen haben!

Über die Förderdatenbank sind wir dann auch auf die TuTech Innovation GmbH gestoßen. Neben anderen Angeboten haben uns besonders die (inzwischen leider eingestellten) Gründerjobs des Hamburger Existenzgründungs Programms (hep) interessiert.

Leistungen

Die Leistungen dieser Förderung ist recht einfach beschrieben: Jeder Gründer (bis zu drei) erhält sechs Monate lang einen monatlichen Betrag von 2.000 € ausgezahlt.

Hört sich klasse an? Ist es auch! Das Geld ist nämlich eine Personenförderung. Dh. nicht die Idee oder das Unternehmen wird gefördert, sondern der Gründer an sich. Und wozu das Ganze? Damit der Gründer Zeit hat sich voll und ganz um seine Idee zu kümmern und sich nicht über so nebensächliche ablenkende Fragestellungen wie “Wie zahl ich meine Miete bzw. mein Essen?” den Kopf zerbrechen muss. Ein halbes Jahr lang kann man alle Energie in die Idee stecken und wenn man die studentischen Lebensumstände nicht allzu sehr ändert bleibt sogar noch etwas für die Idee selbst über. Da es sich nämlich um eine Personenförderung handelt, hat man als Gründer die freie Wahl, was man mit dem Geld macht. Man kann natürlich anfangen sich schon mal an das Leben als erfolgreicher Geschäftsmann zu gewöhnen und auf großem Fuß leben, oder aber das Geld für sinnvollere Dinge wie Anwälte, Notare, Hardware oder sonstige zwingende Ausgaben bei der Geschäftsgründung ausgeben.

Darüber hinaus sind die Gründerjobs ein Zuschuss. Solange die Vertragsbedingungen erfüllt werden, kann man das Geld wörtlich als “geschenkt” ansehen. Die Vertragsbedingungen sind im übrigen sehr gründerfreundlich gefasst und enthalten nur Punkte die man schon fast als “guten Ton” bezeichnen könnte. Neben einem Abschluss- und Erfahrungsbericht soll man während der Förderzeit einen Businessplan erstellen und sich im Anschluss der Förderzeit dem hep-Netzwerk zur Verfügung stellen, um auch zukünftigen Gründern mit seinem Rat und seinen Erfahrungen zur Seite zu stehen. Ah, einen “Haken” gibts dann doch noch: Man muss in Hamburg gründen. Nun ja, es hätte schlimmer kommen können :)

Diese Förderung kann übrigens noch 2mal um jeweils 3 Monate verlängert werden, was dann zu einer Förderzeit von insgesamt einem Jahr führen würde.

Antrag

Für uns war es klar: Um diese Gründerjobs müssen wir uns bewerben. Gesagt, getan. Ein Gründerrat bestehend aus ca. 15 Personen aus der Wirtschaft und Hochschulen tagt einmal im Monat und entscheidet über die Bewilligung der Gründerjobs. Zuerst erstellt man eine schriftliche Ideenskizze mit maximal sechs Seiten. Das war die erste Hürde. Denn wie bei so vielem gilt auch hier:

Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich mich kürzer gefasst.

Will sagen: Eine Geschäftsidee, die einen schon Monate beschäftigt und zu der man schon unzählige Seiten chaotische Notizen (auch Businessplan pre alpha 0.0.1 genannt) hat, auf 6 Seiten runterzubrechen ist eine Heidenarbeit. Dennoch eine sehr sinnvolle Arbeit, denn schon beim Schreiben fallen einem eventuell noch Ungereimtheiten auf. Außerdem sollte jeder Gründer den sogenannten Elevator Pitch gut beherrschen. Wer seine Idee nicht kurz und verständlich erklären kann, hat nicht nur ein Problem, sondern sollte sich auch ernsthaft Gedanken über seine Idee machen.

Nun, diese Hürde wurde gemeistert und die Ideenskizze abgeschickt. Das war am 05.03.2008. Ca. einen Monat später, am 02.04.2008 war es amtlich: Der Gründerrat hat mehrheitlich beschlossen uns zur Präsentation unserer Geschäftsidee einzuladen. YES!!!

Vortrag

Die Freude war natürlich riesig. Das war das erste Mal, dass unsere Idee einer unparteiischen Fachjury präsentiert wurde und anscheinend hat sie überzeugt. Für uns, die bisher nur im stillen Kämmerlein an der Idee rumgeschraubt haben, ein riesiger Erfolg!

Aber damit stand gleich die nächste Aufgabe ins Haus: Termin der Präsentation: 08.04.2008. Also genau sechs Tage Zeit um eine überzeugende Präsentation zusammenzubasteln. Jetzt hieß es, die sechs Seiten Text auf 15 Minuten Präsentation herunterzubrechen.

Präsentation

Auch diese Aufgabe erwies sich nicht als unlösbar, so dass wir uns am 08.04.2008 zu 50% recht aufgeregt und zu 50% vollkommen aufgelöst bei TuTech zur Präsentation einfanden.

Der Ablauf der Präsentation sollte in etwa folgender sein: Ca. 15 Minuten Präsentation, mit anschließender Fragerunde. Für die anschließende Beratung des Gründerrates wird man kurz vor die Tür gebeten. Im vornherein wurde uns von Herrn Sperling der TuTech GmbH erklärt, was dann geschieht: Entweder wird man wieder herein gebeten und man bekommt den positiven Bescheid mitgeteilt, oder aber jemand kommt vor die Tür und bringt einem schonend bei, dass es leider keine Förderung gibt.

Die Präsentation lief vielleicht ein wenig steif, aber doch flüssig und alles im allen zufriedenstellend ab und sogar die anschließende Fragerunde wurde gut gemeistert und wir verließen den Raum wieder. Und dann warteten wir. Und wir warteten. Und als wir dann noch ein wenig warteten fragten wir uns doch so langsam, ob das jetzt ein gutes, oder ein schlechtes Zeichen ist. Offensichtlich war, dass sie sich anscheinend nicht einig sind. Hinzu kam, dass die beiden Gründerteams die vor uns dran kamen, ihre Rückmeldung nach wenigen Minuten bekommen haben. (Eines der Teams war übrigens Jupidi, einen schönen Gruß an dieser Stelle!) Eine lange Wartezeit ist auf jeden Fall nicht sehr förderlich für das Nervenkostüm.

Und dann war es endlich soweit: Herr Sperling kam heraus und wandte sich an uns: “Würden Sie bitte kurz hier mit mir am Tisch Platz nehmen?”

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Eine Welt brach zusammen! Versagt! Kein Geld! Umsonst der Liebe Müh! Unsere Idee taugt (zumindest in den Augen des Gründerrates) nichts. Schon halb abwesend und in der eigenen taumelnden Gefühlswelt verloren, lauschten wir nur noch mit halben Ohr den Worten von Herrn Sperling: “Gründerrat … … viel Diskussionbedarf … … sowohl Gegner, als auch Fürsprecher … …
Kundenakquise … … Qualifikationen … … … beschlossen Sie zu fördern.” … … WAS?

Ja tatsächlich! Wir hatten uns nicht verhört. Es war gar keine Absage, sondern nur eine etwas längere Erläuterung zur der erteilten Zusage! *lol*

Es ist schon ein Erlebnis, aus dem einen Extrem in das andere Extrem zu verfallen. Danke Herr Sperling, für dieses außergewöhnliche Erlebnis! *g*
Alles im allen ein wichtiger, lustiger und emotionaler Abend, mit dem Ergebnis, dass wir beide für sechs Monate jeweils 2.000€ Personenförderung erhalten!

Verlängerung

Nach sechs Monaten Arbeit, waren wir aber noch nicht ganz am Ziel und wir beantragten die erste dreimonatige Verlängerung. Der Ablauf war in etwa der gleiche wie zuvor und auch hier bekamen wir einen positiven Beschluss. Ein gutes Gefühl! *g*

Zukunft des Programms

Auch diese Verlängerung ist mit dem 31.01.2008 abgelaufen und es gibt immer noch einiges bis zum Marktgang zu tun, so dass weitere drei Monate uns gut zu Gesicht stehen würden.

Leider wurde das Gründerjobprogramm jedoch inzwischen eingestellt, so dass es die 2. und letzte Verlängerung der Förderung für uns auf keinen Fall geben wird. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass die Hamburger Behörden im Rahmen einer Technologie- und Innovationsstrategie über die Neuordnung der Existenzgründerförderung nachdenken. Da diese Strategie noch nicht fertig entwickelt ist, wurden die hep Gründerjobs vorläufig ausgesetzt.

Das finden wir sehr bedauerlich und das nicht nur, weil es uns direkt betrifft. Meiner Meinung nach ist es ein Förderprojekt, dass in Deutschland seinesgleichen sucht. Sehr schnell, ungemein hilfreich und für Deutschland erstaunlich unbürokratisch.

Zahlen rund um die Innovationsstiftung Hamburg

Unsere persönliche Meinung spiegelt sich auch in den Zahlen wider, die TuTech veröffentlichte: Pro Jahr werden ca. 10-15 Personen gefördert. Geht man von einem kompletten Jahr Förderung aus, so entspricht dies 240 – 360 Tausend Euro im Jahr.

Diese Zahlen kann man nun in Verhältnis setzen zu denen, die die Innovationsstiftung Hamburg veröffentlichte: Die Innovationsstiftung Hamburg, die seit dem Jahr 1996 besteht und im Jahr 2004 über
51.129.200€ Barkapital verfügte, hat seit ihrem Bestehen, laut Homepage, bereits mit insgesamt 42 Millionen Euro Forschung und Entwicklung von 54 Hamburger KMUs gefördert. Beeindruckende Zahlen!

An Gründer gingen über die hep Gründerjobs innerhalb von zehn Jahren aufgerundet ca. 2.760.000€. Auch ‘ne Stange Geld…. Wenn man jetzt aber überlegt, dass mit diesem knapp 3 Millionen Euro ungefähr 115 Personen gefördert wurden, aus denen über 70 Unternehmengründungen resultierten, von denen heute noch über 80% bestehen und die in Hamburg ca. 450 Arbeitsplätze geschaffen haben. Ja dann, erscheinen die 3 Millionen doch sehr wenig; gemessen an dem Erfolg den dieses Projekt erzielt hat. Stark vereinfacht könnte man behaupten, dass die erfolgreiche Gründung von einem durch die hep Gründerjobs geförderten Unternehmens ca. 50.000€ kostet.

Ok, an dieser Stelle ist der Bogen eindeutig überspannt, da ich keine Ahnung habe wie viel Geld noch aus anderen Quellen in die Gründungen geflossen ist. Gültig bleibt jedoch die Aussage, dass die ca. 50.000 Euro der Innovationsstiftung Hamburg pro erfolgreichen gegründetem Unternehmen maßgeblich zur Gründung beigetragen haben.

Genug der Zahlen. Man kann sich nun fragen wie viel ein erfolgreich gegründetes Unternehmen wert ist. Wir hoffen, dass das hep Gründerjobs Programm in Zukunft wieder aufgenommen wird, da es sich unserer Meinung um ein hervorragendes Projekt handelt. Vielleicht liest dies ja sogar ein Mitglied des Kuratoriums.

Weitere Angebote für Gründer

Zurück zu TuTech! Auch wenn es die Gründerjobs (momentan?) nicht mehr gibt, ist Tutech immer noch eine attraktive Adresse für Hamburger Gründer. Die Angebote sind zu zahlreich um sie alle aufzuzählen, wer Interesse hat, besuche die Seiten von hep und TuTech Innovation GmbH. Da TuTech stark mit den Hamburger Hochschulen kooperiert, gibt es gerade für Hamburger Studenten einige interessante Angebote.

Wir persönlich profitierten bereits von der Beratung, dem Netzwerk, den zahlreichen interessanten Veranstaltungen von TuTech und der INNOTECH Summerschool und möchten auf diesem Wege “Vielen Dank!” sagen.

(Timo Münster)

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One Response to “TuTech – Oder unsere Förderung durch die hep Gründerjobs”

  1. Axel Says:

    Danke für diesen Einblick und auch den Weg dahin. Sowas finde ich immer wieder interessant.

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